Rezension erschienen in "Systhema", Heft 3/1998

John M. Littrell 1998: Brief Counseling in Action. New York/ London: Norton, 246 S.

Wenn wieder eine Einführung in lösungsorientiert-kurztherapeutische Hilfen auf den Markt kommt, frage ich mich mittlerweile als erstes, ob wieder einmal "mehr desselben" produziert wurde. Die Wahrscheinlichkeit dafür scheint mir umso größer zu sein, je mehr die technische Seite des Verfahrens betont wird. Andersherum: Die Information ergibt sich für mich mittlerweile weniger aus dem "Was" der Darstellung, sondern aus dem "Wie". Auf diesem Hintergrund: Wie Littrell das mittlerweile vielfach kartografierte Gelände beschreibt, erscheint mir beispielhaft. Zum einen vermittelt er ein klares Bild, was er unter Kurzberatung versteht: sie ist zeitbegrenzt, lösungsfokussiert, handlungsorientiert, sozial-interaktiv, detailorientiert, humorvoll, aufmerksam für Entwicklungen und basiert auf dem Pflegen einer respektvollen Beziehung. Littrells theoretische Reflexionen beeindrucken durch ihre sehr strukturierte, dennoch lebendige Vermittlung, sie überzeugen meist unmittelbar durch ihre Praxisrelevanz. Hier bietet sich eine wahre Fundgrube an.

Zum anderen wirkt Littrells Darstellung der Fülle des mittlerweile erarbeiteten Instrumentariums an keiner Stelle trivialisierend (im Sinne von Foersters). Im Gegenteil: Littrell beschreibt überzeugend, wie Kooperation zum Rahmen dafür wird, daß die professionelle Beratung sich baldmöglichst überflüssig machen kann. Dem "Entmystifizieren" der Kurzberatung kommt dabei besondere Bedeutung zu, nicht nur aus praktischen, sondern auch aus ethischen Gründen. Littrell verweist als einer der wenigen im Feld explizit auf ethische Standards und informierte Zustimmung. Spannend fand ich desweiteren, wie es dem Autor gelingt, die problemlösende Perspektive des MRI und den genuin lösungsfokussierten Ansatz des BFTC/Milwaukee gleichermaßen für seine Arbeit zu nutzen.

Das Buch ist sehr LeserInnenfreundlich, und dies nicht nur in der angelsächsischen Tradition des leichtfüßigen Vermittelns wissenschaftlicher Reflexion. Littrell bietet viele Vignetten und Arbeitsbeispiele, einige ausführlich transkribiert. Jedes Kapitel endet mit Anregungen für die LeserInnen zum Ausprobieren (unter der vielseitigen Überschrift "Do something different"). Littrell gelingt es offensichtlich spielend, dem Titelversprechen "in action" gerecht zu werden.

Zu guter letzt: Die kooperative, umgängliche und erfrischende Grundstimmung des Buchs zeigt sich auch in dem Detail, daß es im Vorwort von einem ausgewiesenen Psychoanalytiker empfohlen wird, der sich die Lust am Blick über den Tellerrand bewahrt hat und den LeserInnen wünscht: "Enjoy this book!". So sei es!

Wolfgang Loth (Bergisch Gladbach)

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