erschienen in: systeme 19(2), 2005

Jürgen Hargens (2005). Zu einem Paar gehören mehr als zwei... oder: Son paar Probleme. Dortmund: Borgmann Media, 94 S.

Pfiffig und handlich sind sie, und mittlerweile bereits als eine kleine Reihe vorhanden, die monothematischen Bändchen, die Jürgen Hargens von Zeit zu Zeit vorstellt. Diesmal also das Thema Paarbeziehung. Genau genommen handelt es sich diesmal eher um die Reflektionen eines Mannes in der Absicht, sie zunächst einmal anderen Männern vorzustellen, was die Lektüre durch Frauen explizit nicht ausschließt, im Gegenteil. In der Form jedoch macht es Hargens klar: er spricht stets von Partnerinnen, da er die Männer anspricht. In lockerer Form entwickelt er seine Gedanken, spinnt die Leser in unmittelbarer Ansprache mit ein, und am Ende konstatiert er selbst, dass das durchaus wie eine Art Predigt anmuten könne. Aber das wäre sicher daneben, ein Prediger ist er nicht, will keinen überzeugen, sondern eher verlocken. Verlocken, einzusteigen in einen Gedankenfluß, in dem mancher "Männerkram" ebenso freundlich wie konsequent gegen den Strich gebürstet wird. Einladungen zum konstruktiven Innehalten, zum Gewahrwerden des eigenen inneren Widerpart(ner)s, mit dem im Zweifelsfall eher kommuniziert wird als mit (in diesem Fall) der Partnerin aus Fleisch und Blut (und die macht es womöglich auch so), womit schon mehr als zwei involviert wären, mindestens. In alltagssprachlich einfachem Ton lädt Hargens dazu ein, die allfälligen Probleme des Paarlebens aus der Sicht ihrer möglichen Lösungen zu betrachten, also in Form von Ausnahmen, Bereitschaft zum kommunikativen Risiko und Lust am Spiel. Das alles, man kennt es ja mittlerweile von ihm, einfach so: "Es geht Sie merken es mir nur darum, zu erzählen und nicht zu diskutieren" (S.44). Entsprechend läuft eine zentrale Anregung ausschließlich darauf hinaus "nur mitzuteilen (...) und nicht davon ausgehen, Ihre Partnerin würde sich nur deswegen gleich anders verhalten" (S.54). Das liest sich flüssig, beinahe spielerisch (witzig, dass Spieltheorie die einzige explizit benannte theoretische Grundlegung bleibt in dieser Publikation) und empfiehlt sich als Lektüre (nicht nur) für gestresste Ehemänner, die nicht gleich aufgeben wollen. Schön, und wie passend, dass am Tag der Lektüre (27.9. 2005) auf Seite 1 der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift "Ruhig Blut" vom Koronarkongress in Toronto die Rede ist. Da wurde berichtet, dass eine zuverlässig herzliche, zärtliche Begrüßung des Ehepartners bei der abendlichen Heimkehr von der Arbeit das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen offensichtlich nachhaltig senkt. Na, das ginge Hargens jetzt vermutlich zu weit, er will ja nicht diskutieren, nur erzählen... Aber schön ist es doch, und wohl auch gesund.

Wolfgang Loth (kopiloth@t-online.de)